Boys’Day in den Caritas-Werkstätten in Niederelbert: Noel (14) erhält von Gruppenleiter Christian Seibert (rechts) eine Einführung an der CNC-Maschine und sammelt erste praktische Erfahrungen in der Schlosserei.Holger Pöritzsch
Einen Tag lang in Berufe hineinschnuppern, die sonst eher selten im Fokus von Jungen stehen - genau das ermöglicht der Boys’Day. Auch beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn nutzten in diesem Jahr wieder zahlreiche Schüler die Gelegenheit, vielfältige Arbeitsfelder kennenzulernen. Neben Einblicken in die Caritas-Werkstätten konnten die Teilnehmer auch in weiteren Einrichtungen des Verbandes sowie in katholischen Kindertagesstätten im Westerwaldkreis und im Rhein-Lahn-Kreis Erfahrungen sammeln.
Ziel des Boys’Day ist es, jungen Menschen neue Perspektiven bei der Berufsorientierung zu eröffnen - insbesondere in sozialen, pflegerischen und pädagogischen Bereichen. Der Caritasverband beteiligt sich seit vielen Jahren an dem bundesweiten Aktionstag und öffnet dafür bewusst seine Türen in ganz unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Stellvertretend für alle Teilnehmer wurden in diesem Jahr Noel, Marcel und Maximilian in den Caritas-Werkstätten an ihren Einsatzorten begleitet.
"Ich wollte das unbedingt selbst erleben"
Für Noel (14) aus Nordhofen war die Teilnahme am Boys’Day ein besonderer Moment. Der Schüler des Martin-Butzer-Gymnasiums in Dierdorf hatte bereits im vergangenen Jahr Interesse, war damals jedoch noch zu jung. In diesem Jahr klappte es - und er verbrachte einen spannenden Tag in der Schlosserei der Caritas-Werkstätten in Niederelbert. Dort durfte er unter anderem an einer CNC-Maschine mitarbeiten und erhielt Einblicke in unterschiedliche Arbeitsbereiche. "Ich hatte von Mitschülern gehört, wie interessant der Boys’Day ist - das wollte ich unbedingt selbst ausprobieren", berichtet Noel.
Überrascht zeigte er sich vor allem von der Größe und Vielfalt der Einrichtung: "Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es hier auch eine eigene Gärtnerei gibt." Besonders positiv in Erinnerung geblieben sind ihm neben der Arbeit auch das Miteinander und die Atmosphäre: "Alle waren super nett und haben mich direkt aufgenommen." Noel ist sehr aktiv, engagiert sich unter anderem in der Jugendfeuerwehr und bei der DLRG, spielt Gitarre und probiert sich gerne in verschiedenen Bereichen aus. Was er später beruflich machen möchte, weiß er noch nicht genau - ein Beruf im sozialen Bereich ist für ihn aber durchaus vorstellbar. Klar ist für ihn: "Ich mache nächstes Jahr auf jeden Fall wieder beim Boys’Day mit."
Ein zweiter Anlauf, der sich gelohnt hat
Mittendrin statt nur dabei: Marcel (15) packt beim Boys’Day in den Caritas-Werkstätten in Montabaur in der Montage mit an und gewinnt Einblicke in die vielfältigen Arbeitsabläufe.Holger Pöritzsch
Auch Marcel (15) aus Montabaur nutzte die Chance, neue Eindrücke zu sammeln. Der Neuntklässler der Heinrich-Roth-Realschule plus absolvierte seinen Boys’Day in den Caritas-Werkstätten in Montabaur und arbeitete dort in der Abteilung "Montage I" mit. Bereits im Vorfeld hatte er Interesse an den Werkstätten: "Ich wollte hier eigentlich schon mal ein Praktikum machen, das hat damals aber nicht geklappt. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass es jetzt beim Boys’Day funktioniert hat."
Marcel war positiv überrascht, wie viele Menschen in den Caritas-Werkstätten arbeiten und wie vielfältig die Arbeitsabläufe sind. "Ich wusste vorher gar nicht, wie umfangreich das hier ist", sagt er. Sein Interesse am sozialen Bereich ist schon jetzt deutlich: Marcel hat unter anderem bereits ein Praktikum in einer Kindertagesstätte absolviert. "Ich arbeite einfach gerne mit Menschen und finde das total spannend", erklärt er. Der Boys’Day habe ihn darin noch einmal bestärkt.
"Jeder trägt seinen Teil zum Ergebnis bei"
Praxis hautnah: Achtklässler Maximilian lernt beim Boys’Day in den Caritas-Werkstätten in Lahnstein die einzelnen Arbeitsschritte in der Produktion kennen und erlebt Teamarbeit im Arbeitsalltag.Caritasverband WWRL
In der Caritas-Werkstatt in Lahnstein war Maximilian (8. Klasse, Cusanus-Gymnasium Koblenz) im Einsatz. Dort lernte er unter anderem die einzelnen Arbeitsschritte zur Konfektionierung von sogenannten Smallboxen für einen Fahrradhersteller kennen und unterstützte bei der Produktion technischer Bauteile. "Ich wollte die Chance nutzen, neue Berufsfelder kennenzulernen und einfach mal etwas auszuprobieren, das ich so noch nicht kannte", sagt Maximilian. Besonders beeindruckt habe ihn die Zusammenarbeit im Team: "Es war interessant zu sehen, wie jeder Einzelne seinen Teil dazu beiträgt, dass am Ende ein fertiges Produkt entsteht."
Berufsorientierung mit Perspektive
Für Rainer Lehmler, Referent für Gemeindecaritas beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn und verantwortlich für die Organisation des Boys’Day, ist der Aktionstag ein wichtiger Impuls für junge Menschen: "Der Boys’Day eröffnet Jungen bewusst neue Perspektiven - gerade in sozialen und pädagogischen Berufen, die häufig noch unterschätzt werden. Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln, Vorurteile abzubauen und eigene Interessen zu entdecken." Gleichzeitig biete die Caritas mit ihren vielfältigen Einrichtungen ideale Möglichkeiten, unterschiedliche Arbeitsfelder kennenzulernen: "Ob in der Behindertenhilfe, in unseren Beratungsdiensten, in der Pflege oder in Kindertagesstätten - die Bandbreite ist groß. Genau das macht den Boys’Day so wertvoll." Der Aktionstag hat damit einmal mehr gezeigt: Wer den Mut hat, neue Wege auszuprobieren, gewinnt nicht nur spannende Einblicke - sondern oft auch eine neue Perspektive für die eigene Zukunft.