Hannelore Wacker lebt heute im Caritas-Altenzentrum St. Josef in Arzbach. Ihre bewegende Lebensgeschichte steht stellvertretend für viele Frauen ihrer Generation, die schwierige Zeiten erlebt und ihr Leben mit Mut und Zuversicht gemeistert haben.Holger Pöritzsch
Der Internationale Weltfrauentag am 8. März erinnert weltweit an die Leistungen, Lebenswege und Errungenschaften von Frauen. Für den Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn ist dieser Tag auch ein Anlass, auf die vielen beeindruckenden Frauen aufmerksam zu machen, die heute in den Caritas-Altenzentren leben. Ihre Lebensgeschichten erzählen von Mut, Zusammenhalt, Verantwortung und einem starken Willen, auch schwierige Zeiten zu meistern.
Zwei von ihnen sind Hannelore Wacker, Bewohnerin des Caritas-Altenzentrums St. Josef in Arzbach, und Helga Hilger, die heute im Caritas-Altenzentrum Haus Helena in Hachenburg lebt. Ihre Geschichten stehen stellvertretend für viele Frauen ihrer Generation - Frauen, die Krieg und Neuanfang erlebt, Familien gegründet, gearbeitet und Verantwortung übernommen haben.
Hannelore Wacker wurde 1938 in Birnau-Ebenheit geboren und blickt heute auf ein bewegtes Leben zurück. "Ich hatte eine sehr schöne Kindheit", erzählt sie und erinnert sich an ihre frühen Jahre. Besonders lebendig ist ihr bis heute der erste Schultag im Gedächtnis geblieben: Aus Angst, keine Schultüte zu bekommen, lief sie kurzerhand davon - eine Sorge, die sich schnell als unbegründet herausstellte. Schon früh zeigte sich ihre Begabung für Zahlen. "Rechnen war immer meine Stärke", sagt sie rückblickend. Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Gärtnerin, doch ihr Lebensweg führte sie später nach Erfurt. Dort arbeitete sie gemeinsam mit ihrem Mann in der familieneigenen Drogerie und erlebte eine Zeit, die sie vor allem mit einem Wort beschreibt: Zusammenhalt. "Wir haben immer gut zusammengehalten", sagt sie über das Leben mit ihrer Familie.
Eine besonders schwere Zeit begann, als sie an Krebs erkrankte und zahlreiche Bestrahlungen über sich ergehen lassen musste. Die Prognosen der Ärzte waren damals alles andere als gut. Doch sie gab nicht auf. Mit großem Lebenswillen, Mut und der Unterstützung ihrer Familie kämpfte sie sich zurück ins Leben.
Helga Hilger lebt im Caritas-Altenzentrum Haus Helena in Hachenburg. Ihr Lebensweg erzählt von Verantwortung, Tatkraft und großem Familiensinn – Eigenschaften, die viele Frauen ihrer Generation geprägt haben.Caritasverband WWRL
Auch Helga Hilger hat in ihrem Leben früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Sie wurde 1941 in Schneidemühl geboren. Nach dem Krieg verließ ihre Mutter mit den Kindern die Heimat und zog nach Lübeck. Später fand die Familie im Siegerland eine neue Heimat. Helga Hilger hätte gern eine höhere Schule besucht - doch dafür fehlte das Geld. Stattdessen begann sie eine Ausbildung zur Metzgereifachverkäuferin. "Zu Hause bleiben war keine Option - ich musste Geld verdienen", erinnert sie sich an die Worte ihres Vaters.
Der Beruf, der zunächst nicht ihr Wunsch war, wurde schließlich zu ihrer Berufung. In einer Metzgerei lernte sie ihren späteren Mann kennen. Gemeinsam wagten sie später den Schritt in die Selbstständigkeit und gründeten in Norken ihre eigene Metzgerei. Geschäft und Familie gehörten fortan untrennbar zusammen. Mit großem Einsatz bauten sie den Betrieb auf und führten ihn über Jahrzehnte. Für Helga Hilger war dabei immer eines besonders wichtig: ihre Familie. Als ihr Mann vorschlug, in seine Heimat zu ziehen, machte sie eine klare Bedingung: "Wenn das was mit uns werden soll, dann muss mein Vater mitkommen. Ich lasse ihn nicht allein." Bis ins hohe Alter blieb sie aktiv und half noch viele Jahre im Familienbetrieb mit. Ihr Beruf habe ihr immer Freude gemacht, sagt sie heute.
Für die Mitarbeitenden in den Caritas-Altenzentren sind solche Lebensgeschichten etwas ganz Besonderes. "Unsere Bewohnerinnen haben oft Zeiten erlebt, die wir uns heute kaum noch vorstellen können", sagt Anja Kohlhaas, Leiterin der Caritas-Altenzentren in Arzbach und Hachenburg. "Viele von ihnen haben nach Krieg und Entbehrung ihre Familien aufgebaut, gearbeitet und Verantwortung getragen. Diese Lebensleistungen verdienen großen Respekt."
Auch Carsten Bachert, Leiter des Caritas-Altenzentrums St. Martin in Lahnstein, erlebt im Alltag immer wieder, wie beeindruckend diese Biografien sind: "Hinter jeder Bewohnerin steckt eine ganz eigene Geschichte. Wenn wir ihnen zuhören, erfahren wir viel über Mut, Durchhaltevermögen und Lebensklugheit. Das sind Geschichten, die inspirieren."
Der Weltfrauentag ist deshalb auch eine Einladung, diesen Frauen zuzuhören und ihre Lebenswege wertzuschätzen. Denn ihre Geschichten zeigen: Stärke zeigt sich nicht immer laut - oft zeigt sie sich im täglichen Durchhalten, im Zusammenhalt der Familie und im Mut, immer wieder neu anzufangen.